06.04.2021Start-Ups

Sicher ist sicher - Upcycling von Rettungswesen bei BAG TO LIFE - Social Entrepreneurship in Oberfranken #4

Foto: Ashim D’Silva

Was könnte die Verbindung zwischen einem Flugzeug und einer gelben Tasche sein? Nicht ganz offensichtlich? Die Antwort lautet: Upcycling von Rettungswesten. Kerstin Rank ist die Idee gekommen, aus alten Rettungswesten und anderen Materialien der Luftfahrt Taschen und Accessoires herzustellen. Im Gespräch mit start.land.flow erzählt sie von der Gründung, ihrer Motivation und anderen Aspekten des Werdegangs von BAG TO LIFE.

Bis dahin führte Rank eine Art Individualisierungs-Atelier, in dem speziell auf Kundenwunsch Produkte und Auszeichnungen entwickelt wurden. Auch damals waren unter den Kund*innen schon klanghafte Namen wie die FIFA oder der Koch Alexander Hermann dabei. Während der Arbeit entstanden dann zahlreiche Ideen für eigene Produkte und Kollektionen, die ihrer Ansicht nach nicht in der Schublade liegenbleiben sollten. Als Rank schließlich 2010 auf einer großen Messe ihre Ideen präsentierte und die Reaktionen der Kunden einfing, wurde ihr schnell klar: Die Produkte, das Konzept und die nachhaltige Unternehmensphilosophie von BAG TO LIFE kommen sehr gut an. Dies war der Zeitpunkt, an dem sie sich zur Gründung entschied.

Was ist Social Entrepreneurship?

Laut dem Social Startup Magazin ist Social Entrepreneurship eine „unternehmerische Tätigkeit, die das Ziel hat, soziale oder ökologische Probleme zu lösen und nicht die Gewinnsteigerung in den Vordergrund stellt“.

Foto: Kerstin RankFoto: Kerstin RankGegründet wurde BAG TO LIFE im Jahre 2010 als Upcycling-Marke der ehrensache D/V GmbH & Co. KG, die bis heute ihren Hauptsitz in Lichtenfels hat. Seit der Gründung wurden bislang mehr als 135 Tonnen alter Rettungswesten zu Produkten verarbeitet.

Die Produktpalette beinhaltet über 75 Artikel, von einer Vielfalt an Taschen über Geldbeutel bis hin zu Gesichtsmasken. Ihr Team umfasst sechs Personen, hinzukommen die Angestellten in einer familiengeführten Näherei in Zentralbosnien. Faire Arbeitsbedingungen und regelmäßige Besuche vor Ort sollen auch die soziale Nachhaltigkeit sicherstellen.

Wir haben Gründerin Kerstin Rank ein paar Fragen gestellt, um euch einen tieferen Einblick in die Gründungsgeschichte von BAG TO LIFE zu ermöglichen. Seid gespannt auf hilfreiche Gründungstipps und eine Menge Motivation:

start.land.flow:Was hat dich dazu bewegt, in (Ober-) Franken zu gründen?

Foto: Kerstin RankFoto: Kerstin RankKerstin Rank: Ich bin hier zu Hause. Für mich hat sich gar nicht die Frage gestellt, an einem anderen Ort zu gründen, da ich sechs Monate nach der Geburt unserer Tochter die Entscheidung getroffen hatte. Generell bin ich davon überzeugt, dass man gründen sollte, wo man sich wohl fühlt.

start.land.flow: Wieso machst du genau das, was du machst?

Kerstin Rank: Weil ich davon überzeugt bin, dass es richtig ist. Für mich war noch nie der einfachste Weg automatisch der Richtige. Und dass die Gründung eines Upcycling-Labels nicht einfach wird, war klar. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Wirtschaft sich nachhaltiger aufstellen kann und dabei profitabel ist. Ein paar Steine wegzuräumen und Probleme zu lösen spornt mich an. Ich brauche Herausforderung, zu viel absehbare Abläufe langweilen mich schnell.

start.land.flow: Wann hast du gemerkt, dass deine Idee funktioniert?

Kerstin Rank: Relativ schnell, aber dann fing die Arbeit erst richtig an. Für den kontinuierlichen Markenaufbau braucht es Durchhaltevermögen. Wir mussten neben der Markenetablierung den Vertrieb und vor allem auch die verlässliche Produktion auf die Beine stellen. Und mein Ziel ist auch kein kurzfristiger Trend, sondern eine ansprechende Marke, mit nachhaltigem Hintergrund, deren Produkte in Design, Funktion und grünem Fußabdruck bei der Kaufentscheidung des Konsumenten einen echten Vorteil gegenüber konventionellen Produkten bietet.

start.land.flow: Wie wichtig war und ist Vernetzung für euren Erfolg?

Kerstin Rank: Vernetzung ist ein entscheidender Faktor. Mit einem guten Netzwerk fügen sich manche Prozesse viel einfacher zusammen, da die Bandbreite an Möglichkeiten größer ist. Außerdem macht es einfach Spaß sich auszutauschen.

start.land.flow: Hast du Tipps für Menscen, die in Oberfranken gründen wollen?

Kerstin Rank: Am Anfang stellt man sich 1000 Fragen. Wichtig ist, dass man zur Klärung von Fragen zu Geschäftsmodellen und der Marktfähigkeit von Produkten auch einen kompetenten Gesprächspartner oder auch das Feedback einer Testgruppe, die der Zielgruppe entspricht, einholt. Das klingt logisch, ist aber in der Realität geprägt von Gesprächen mit dem persönlichen Umfeld. Und hier sind Meinungen, auf Grund der Beziehung, nicht ungefiltert, wodurch falsche Schlüsse gezogen werden können.

Den Ball am Anfang flach zu halten und die notwendigen Investitionen realistisch zu tätigen - also kein dicker Geschäftswagen, nicht die teurere Büroausstattung - ist sicher auch ein guter Tipp. Auch bin ich ein Fan von „organisiertem Durchstarten“, also überlegt, aber zielgerichtet anfangen, ohne sich zu verkünsteln und damit den Start immer wieder zu verzögern.

Und als Oberfränkin kann ich nur sagen, dass ich mir für die Region ein neues Selbstbewusstsein wünsche. Die Oberfranken sind Macher mit Bodenhaftung. Und zum Gründen ist der gesunde Menschenverstand wichtiger als die Metropole.

Weitere Informationen über BAG TO LIFE gibt es hier.

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