30.12.2020Ratgeber

Können nachhaltige Geschäftsmodelle funktionieren? Wir geben Hilfestellung

Foto: Alexander Abero

Wie können nachhaltigkeitsspezifische Fragen und ein tragfähiges Geschäftsmodell unter einen Hut gebracht werden?

Und wie können Startups den sozialen Aspekt ihres Geschäftsmodells mit dessen Marktchancen in Einklang bringen?

Die nachfolgenden zwei Versionen des klassischen Business Model Canvas bieten Antworten darauf. Sie ermöglichen es dir, bereits vor der Gründung die spezifischen Anforderungen eines nachhaltigkeits- bzw. sozialorientierten Geschäftsmodells in die Planung miteinzubeziehen.

 

Sustainable Business Canvas

Der Sustainable Business Canvas wurde von der Universität Oldenburg und dem Borderstep Institut entwickelt. Es stellt eine Weiterentwicklung des in der internationalen Gründerszene bekannten Business Model Canvas (BMC) von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur dar. Grundsätzlich ist es geeignet für alle, die ihre Geschäftsidee ausarbeiten und auf Realisierbarkeit prüfen wollen. Zudem kann es für bereits etablierte Startups oder Unternehmen als Tool dienen, um ihr bereits bestehendes Geschäftsmodell zu optimieren oder neue Ideen zu entwickeln.

 

Besondere Anforderungen an nachhaltige Geschäftmodelle:

  • Normativer Anspruch: Orientierung an der „Triple Bottom Line“: gleichzeitige Erreichung ökonomischer, ökologischer und sozialer Ziele
 
  • Stakeholder-Perspektive: breite und ganzheitliche Perspektive unternehmensinterner und -externer Interessensgruppen, da ein nachhaltiges Wirtschaften nicht nur ökonomische und marktliche Anforderungen zu berücksichtigen hat
  • Ganzheitliche Nutzenbetrachtung des durch Innovation und Gründung generierten Wertes: Nicht nur beschränkt auf den/die Kund*in, sondern einschließlich anderer Steakholder und gesellschaftlicher Nutzenaspekte. Somit wird das Geschäftsmodell nicht isoliert von seiner Umwelt betrachtet
  • Lebenszyklusdenken: Lebensweg der Produkte auch mit vor- und nachgelagerten Stufen in die Betrachtung miteinbeziehen
  • Grundprinzipien nachhaltigen Wirtschaftens: 1. Öko-Effizienz (Energie-, Material-, Ressourceneffizienz), 2. Konsistenz (Vermeidung von Vergiftung, Kreislauffähigkeit etc.) und 3. Suffizienz (u.a. maßvolles Wirtschaften, Vermeidung von Verschwendung)
  • Leitkonzepte nachhaltigen Wirtschaftens: z.B. „Corporate Social Responsibility“, „100% Erneuerbare Energien“ oder „Nachwachsende Rohstoffe“
  • Systemdenken: Neben der lebenszyklusweiten Betrachtung von Produkten soll auch die Analyse (möglicher) Wirkungen innovativer Lösungen mitbedacht werden
  • Nutzen- und Funktionsorientierung: nicht das (physische) Produkt steht im Mittelpunkt, sondern der Nutzen bzw. die Funktion. Dies soll durch ein Denken „vom Ende her“ erreicht werden
  • Transformationsbeitrag: Der eigene Beitag soll nicht nur auf Produktebene, sondern auch auf marktlichter und gesellschaftlicher Ebene betrachtet werden und langfristig zu einer „Green Economy“ beisteuern

 

Hier das Sustainable Business Model Canvas:

 

Integrativer Ansatz – nachhaltigkeitsspezifische Fragen

Je nach Geschäftsmodellelement werden neben den klassischen auch nachhaltigkeitsspezifische Fragen zum Geschäftmodell gestellt. Hier eine beispielhafte Auswahl der Fragen:


 
  • Geschäftsmodell, Vision & Mission

Welchen konkreten Beitrag wird dein Startup zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen in fünf oder zehn Jahren geleistet haben?

  • Nutzenversprechen

Wie trägt die Integration der Nachhaltigkeit zum Kundennutzen bei?

  • Kunden

Ist ein glaubwürdiges Nachhaltigkeitszertifikat/ -siegel für deine Kunden wichtig?

  • Wettbewerber

Kann durch Berücksichtigung einzelner Nachhaltigkeitsprinzipien ein Wettbewerbsvorteil er-reicht werden? Welcher? Ist dieser Vorteil schnell kopierbar?

  • Steakholder

Generiert dein Geschäftsmodell einen zusätzlichen Nutzen für weitere Stakeholder/Akteure oder können bisher unbefriedigte Bedürfnisse weiterer Akteure berücksichtigt und genutzt werden?

  • Ertragsmodell

Sind durch die Einhaltung von einem oder mehreren Nachhaltigkeitsprinzipien höhere Preise oder eine stärkere Kundenbindung erzielbar?

  • Schlüsselaktivitäten

Können beispielweise in Beschaffung, Herstellung, Transport und/oder Konsum Energie-, Rohstoff- oder Wasserverbrauch effizienter, gerechter oder sicherer gestaltet werden?

  • Schlüsselressourcen

Gehören zu den Schlüsselressourcen umweltkritische Produktionsfaktoren? Kann der Verbrauch minimiert oder auf weniger kritische Ressourcen umgestellt werden?

  • Schlüsselpartnerschaften

Welche Nachhaltigkeitsanforderungen sind entlang Ihrer Wertschöpfungskette (Schlüsselpartner aus vor- und nachgelagerten Stufen inbegriffen) relevant? Inwiefern beurteilst du dies als Chance oder Risiko?

  • Kostenstruktur

Können zukünftig Kosten entstehen, wenn Nachhaltigkeitsprinzipien nicht beachtet werden?


 

Letzendlich müssen die Gründer*innen selbst überlegen, wie viel Priorität sie diesem Thema einräumen wollen und ob die Nachhaltigkeitsaspekte eher als dominantes Ausgansziel oder als punktuelle Reflexionsstellen dienen sollen, um beispielsweise Chancen und Risiken zu thematisieren, die sich aus den spezifischen Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung für das Geschäftsmodell ergeben.

Social Business Model Canvas

 

Für Gründer*innen, die bereits wissen, dass ihr Hauptaugenmerk darauf liegt, den sozialen Aspekt ihres Geschäftsmodells mit dessen Marktchancen in Einklang zu bringen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Social Business Model Canvas der Argentur Social Impact weiterentwickelt und online kostenlos zur Verfügung gestellt. Es enthält hilfreiche Fragen sowie Tipps für eine gelungene Gründung deines sozialen Unternehmens. Hier kannst du es herunterladen.

 

Weitere Tools, Vorlagen und sogar ein Spiel zu nachhaltigen Innovationen findest du hier.

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