30.11.2021Startups

Gefühl für Holz: Feelwood Furniture aus Bamberg entwirft nachhaltiges „Nichtspielzeug“

Foto: Corina Leppich

„Auf den Brettern, die die Welt bedeuten“ steht Bertram Gärtner als studierter Schauspieler regelmäßig. Doch für ihn ist Holz nicht nur die Basis für gelungene Theaterauftritte, sondern mittlerweile das Standbein für seinen wirtschaftlichen Erfolg. Zusammen mit seiner Frau Prisca stellt er Kinderspielzeug aus Holz her und hat 2019 Feelwood Furniture gegründet. start.land.flow hat ihn in seiner Bamberger Werkstatt besucht.

„Ich habe zwei rechte Hände“, erklärt Bertram gleich zu Beginn seine Leidenschaft fürs Schreinern pragmatisch. Tischlerte er sich zunächst eigene Möbelstücke, kam mit der Familiengründung schnell die erste Holzrassel hinzu. „Wie alle Eltern wollten wir von Anfang an nur das Beste für unsere Kinder“, bestätigt er. Darunter verstanden Bertram und Prisca nicht nur, dass das Spielzeug ökologische und nachhaltige Ansprüche erfüllen soll. Es war ihnen genauso wichtig, die Kinder nicht zu überreizen. Design und Haptik sind daher bewusst schlicht und naturbelassen. Mit klaren Formen und den natürlichen Holztönen lassen die Klangwürfel, Rasseln und Spielbögen den Kindern genug Freiraum für die eigene Fantasie. Feelwood Furniture hat damit intuitiv seinen Kern gefunden und entwirft, mit einem Zwinkern, die beliebten „Nichtspielzeuge“.

Vom Hobby zur Haupteinnahmequelle

Bertram und Prisca haben damit einen Nerv getroffen. „Wir waren überrascht von den vielen Anfragen, zunächst im Freundeskreis und später auch online“, erinnert sich Bertram. Aber das positive Feedback machte dem Schauspieler und der Ärztin in Elternzeit die Entscheidung zur Gründung leicht: „Dann bauen wir uns eben ein drittes Standbein auf.“ Vor allem über den Online-Marktplatz etsy kamen direkt zahlreiche Bestellungen herein und bald wurden auch kleine Läden in Bamberg, Köln oder Hamburg auf das Familienunternehmen aufmerksam. So verbrachte besonders Bertram fortan viel Zeit in seiner Werkstatt, die er sich glücklicherweise direkt im Keller ihrer Wohnung einrichten konnte. Dort nimmt er auch während unseres Gesprächs routiniert die Bestellungen auf, bedient den Laser für Gravuren und ölt die Greifringe mit der hauseigenen Holzpflege.

Einfach gemacht

Aber nicht nur das Konzept der Nichtspielzeuge oder die Handarbeit lassen die Bamberger Manufaktur aus der Masse herausstechen. Auch durch die Holzauswahl hebt sich Feelwood von den großen Herstellern ab. Besonders die Verarbeitung von Olivenholz ist ungewöhnlich. Es ist sehr hart und daher würden viele Schreiner lieber die Finger davonlassen. „Aber wir haben es einfach gemacht“, lacht Bertram. Gerade Kinderspielsachen müssten schließlich viel aushalten. Außerdem wird Esche, Ahorn und Walnussholz für die Nichtspielzeuge eingesetzt. Das Besondere: Jedes Holz bringt seine eigene Farbgebung, Maserung und Duftnote mit. So konnte Feelwood die gewünschte „Ästhetik mit dem Sinnvollen verbinden“ und das gänzlich ohne in den Farbtopf greifen zu müssen.

Rückschläge in der Selbstständigkeit

Mit der steigenden Nachfrage konnte die Spielzeugherstellung aber nicht mehr allein in der eigenen Werkstatt produziert werden. Deswegen hat sich Feelwood Furniture Unterstützung gesucht und lässt seit sechs Monaten in der Lebenshilfe Bamberg e.V. schreinern. Auf lange Sicht wird die Produktion die größte Herausforderung für das junge Unternehmen. „Sozialverträglichkeit ist uns wichtig“, erklärt Bertram. Und auch mit den steigenden Stückzahlen solle Fairness und Wirtschaftlichkeit vereinbar bleiben. Eine Lösung steht noch aus.

Feelwood Furniture legte aber mitnichten einen geradlinigen Aufstieg hin. Bei guten Wetter seien die Verkaufszahlen regelmäßig eingestürzt. Mit diesen Flauten musste Bertram erst umzugehen lernen. „Als Unternehmer bist Du permanent in der Bringschuld, das habe ich unterschätzt. Aber Rückschläge sind normal und in diesem Geschäft nicht zu steuern. Sie haben nichts mit der Qualität der Produkte zu tun.“

Genug zu tun ist jedenfalls immer. Die Selbstständigkeit bringe zehnmal mehr Arbeit mit sich als gedacht. Schließlich ist es ja nicht „nur“ das Holzspielzeug. Bertram schreibt die Texte für die Homepage, kümmert sich mit einem Freund um die Werbung und entwirft neue Produkte.  Gerade das beansprucht viel Zeit. „Von der Entwicklung bis zur Sägerei vergeht locker ein halbes Jahr“.

Stoffelige Franken und Networking?

Und der Vorteil des Standorts Bamberg in Oberfranken? Bertram lacht: „Eigentlich ist der Franke manchmal ganz schön stoffelig. Aber ist er erstmal aufgetaut, ist er dein Freund“. So hat er sich in Oberfranken ein gutes Netzwerk aufgebaut, um sein Holzspielzeug hochwertig herzustellen und zu veredeln. Das Holz erhält er von einem Fachhändler in Ebrach, das Bienenwachs aus Hirschaid und die schönen Zeichnungen, die das Spielzeug zieren, direkt aus Bamberg. Der lokale Bezug und die hohe Qualität waren dabei eher ein zufälliges Beiwerk. „Unser Anspruch an Nachhaltigkeit ist vor allem, dass es lange halten muss. Umgesetzt wird dies über die Qualität. Und die erreichen wir eben nur durch unsere guten Kontakte und Handelspartner.“ Ziel sei es, eine Rassel von Feelwood Furniture über Generationen nutzen zu können. Im Weg stünde dem eigentlich nur eine individuelle Gravur.

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